Herzenssache ist für mich eine Auseinandersetzung mit dem Wert des Lebens und mit der Frage, was wir daraus machen.
Im Laufe meines Lebens haben sich meine Vorstellungen davon, was wirklich wichtig ist, verändert. Erfahrungen, Verluste und vor allem mein Auslandseinsatz in Afghanistan haben meinen Blick auf viele Dinge verändert. Dort habe ich erlebt, mit wie wenig Menschen auskommen können. Wasser, Strom, Lebensmittel und Sicherheit waren nicht einfach selbstverständlich. Wir haben aus dem, was vorhanden war, das gemacht, was wir gerade brauchten. Diese Erfahrung habe ich nicht als etwas Negatives mit nach Hause genommen. Im Gegenteil. Sie hat mir gezeigt, wie viel wir besitzen, wie viel wir konsumieren und wie schnell wir vergessen, welchen Wert Dinge eigentlich haben. Meine persönlichen Prioritäten haben sich dadurch verändert. Familie, Sicherheit, Geborgenheit und das Leben selbst wurden für mich wichtiger. Gleichzeitig leben wir in einer Welt, in der wir immer mehr wollen. Wir verbrauchen Ressourcen, verändern unsere Umwelt und versuchen, die Natur nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wir können vieles technisch möglich machen – und tun es häufig auch, einfach weil wir es können.
Aber müssen wir wirklich alles haben, alles verändern und alles optimieren?
Wir leben heute in einer Welt, in der vieles jederzeit verfügbar ist. Wir konsumieren, produzieren und verändern unsere Umwelt, oft ohne darüber nachzudenken, welchen Preis das hat. Wir roden Wälder, versiegeln Flächen, verändern Wasserläufe, bauen Städte und versuchen, die Natur unseren Vorstellungen anzupassen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, den Menschen selbst zu optimieren und Leben immer stärker zu kontrollieren und zu manipulieren. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich Herzenssache. Das Herz steht dabei sinnbildlich für das Leben – für unser eigenes Leben, für das Leben der Natur und für die Verbindung zwischen beiden. Die Werke zeigen, wie eng Natur, Mensch und Industrie miteinander verbunden sind und wie leicht aus Nutzung Ausbeutung, aus Schutz Kontrolle und aus Fortschritt Manipulation werden kann. Ich möchte keine einfachen Antworten geben. Meine Arbeiten dürfen zunächst irritieren oder sogar verstören. Der Betrachter soll genauer hinsehen, sich seine eigene Interpretation bilden und vielleicht mit einer Frage nach Hause gehen.